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Voll vernetzt - wie öffentliches WLAN Kultur fördert und unterstützt


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Das bedeutet das Ende der WLAN-Störerhaftung.

Mehr als 54 Millionen Deutsche ab 14 Jahren nutzen ein Smartphone. Mit der zunehmenden Digitalisierung wird heute ein schneller, mobiler Internetzugang immer und überall erwartet. Das digitale Zeitalter verspricht dabei auch Kultureinrichtungen vieles.

Es sind nur ein paar Möglichkeiten von vielen: Die spartenübergreifende Präsentation von Wissensspeichern, internationale Sichtbarkeit von Kulturgut oder neue Wege zur Verknüpfung von Wissenschaft und Kultur. Die Digitalisierung bietet Raum für eine Vielzahl von Projekten. Aufgegriffen werden die digitalen Angebote in den Häusern nicht allein durch hauseigene Leihgeräte, sondern vor allem durch die Verwendung der privaten Endgeräte der Besucher. Diese benötigen dafür einen ausreichenden Mobilfunkempfang und nehmen ein gewisses Datenvolumen des Nutzers in Anspruch. Aber nicht jeder, der ein Smartphone oder Tablet besitzt, hat eine Daten-Flatrate. Teilweise macht auch eine schlechte Netz-Abdeckung Hilfsmittel wie öffentliches WLAN notwendig, um barrierefrei digitale Angebote in Anspruch nehmen zu können.

Entwicklungsland Deutschland

Die Bundesrepublik Deutschland gilt bezüglich des öffentlichen Zugangs zum Internet und ihrem Stand des Digitalisierungsfortschrittes im europäischen Vergleich als Entwicklungsland. Das Weltwirtschaftsforum veröffentlicht jährlich den Network Readiness Index (NRI), der die Netzwerkfähigkeit von 143 Volkswirtschaften bewertet. Analysiert werden durch den NRI dabei Faktoren, die in einem Land für die Nutzung von digitalen Informations- und Kommunikationstechnologien zur Entwicklung zugunsten der Gesellschaft beitragen. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland in der digitalen Entwicklung, auch in Bezug auf freien Internetzugang, auf Platz 13 deutlich hinter den Spitzenländern zurück.

Doch nur mit öffentlichem WLAN wird allen Besitzern entsprechender Geräte der Zugriff auf das digitale Angebot ermöglicht. Bis zum Herbst 2017 wurden öffentliche Hotspots aufgrund von Haftungsrisiken schleppend auf- und ausgebaut. Die Reform des Telemediengesetzes und die weitgehende Abschaffung der WLAN-Störerhaftung sollte das ändern. In Osteuropa, Israel, den USA, China, Frankreich oder Großbritannien sind öffentliche WLAN-Netzwerke selbstverständlich. In Deutschland sind sie beinahe ein Phänomen mit Seltenheitswert.

Es wird immer noch erwartet, dass Besucher ihr eigenes, meist begrenztes Datenvolumen, aufbrauchen, um externe Angebote zu nutzen. Dazu zählt nicht allein der Download von hauseigenen Apps für den Besuch oder Rundgänge in Häusern. Sondern ebenfalls die eigene Recherche von relevantem Zusatzmaterial und Informationen für den individuellen Besucher, die die Einrichtungen aufgrund von Mangel an Platz und Personal nicht direkt bereitstellen können. Das ist ärgerlich für Deutsche, deren mobiles Datenvolumen im europäischen Vergleich eines der teuersten ist.

Vorteile eines freien Zugangs

Freies WLAN bietet als einfacher Zugang zu Informationen viele Vorteile, vor allem für die Einrichtungen selbst: Es nimmt die Barriere von einem Zugriff auf relevante Informationen und macht diese zugänglich für Menschen ohne Daten-Flatrate, Geringverdiener, ausländische Touristen und Flüchtlinge. Es unterstützt bei der Bereitstellung von pädagogischen Angeboten und entlastet die Einrichtungen bei Personalmangel. Für Führungen und Rundgänge werden weniger oder kein Personal benötigt und die Flexibilität in Bezug auf Fremdsprachen steigt. Bei einem entsprechenden digitalen Angebot seitens der Häuser ist eine zielgruppengenaue Ausrichtung auf verschiedene Besuchergruppen möglich. Mit den gleichen Informationsgrundlagen können verschiedene Angebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene nach Interesse und mit unterschiedlichen Schwerpunkten zeitgleich zur Verfügung gestellt werden.

Im normalen Tagesgeschäft ist es kaum möglich individuell auf alle Wünsche und Bedürfnisse der unterschiedlichen Besuchergruppen einzugehen. Mittels Bereitstellung eines öffentlichen WLAN-Hotspots können digitale Angebote helfen, aufbereitete Informationen den Besuchern zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung zu stellen. Damit kann nachhaltig das Besuchserlebnis und die Vermittlung von Inhalten verbessert werden.

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Immer mehr Deutsche nutzen Smartphones

Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (bitkom) teilte in im Februar 2017 in einer Presseinformation mit, dass circa 78 Prozent der Deutschen ein Smartphone nutzen. Seit 2012 hatte sich der Nutzeranteil damit mehr als verdoppelt. Das größte Wachstumspotenzial liegt bei den Senioren, während die Altersgruppen der 14- bis 29-Jährigen und der 30- bis 49- Jährigen schon zu 93 Prozent bzw. 94 Prozent Smartphones nutzt. Smartphone-Nutzer stellen damit eine enorm große Zielgruppe dar, die angesprochen werden muss.

Kultureinrichtungen können die Bedürfnisse der Nutzer relativ mühelos erfüllen. Bitkom stellte fest, dass Smartphone-Besitzer vor allem die Kernfunktionen mobiler Telefone schätzen. Dazu gehören nicht bloß Telefonie, Foto- oder Videoaufnahmen, sondern auch die Nutzung von Suchmaschinen. Dieses Anwendungsfeld verwenden bis zu 79 Prozent der Nutzer. Dahinter steckt ein enormer alltäglicher Informationsbedarf der Nutzer, der selbst bei einem Besuch kultureller Einrichtungen bestehen bleibt. Die Häuser können dem entsprechen, indem sie über digitale Angebote aufbereitete Informationen zur Verfügung stellen. Das können z. Bsp. Apps sein, die als Multimedia-Guide funktionieren und den Besuchern verschiedene Schwerpunkt-Rundgänge und zusätzliche Informationen zu Ausstellungsstücken bereitstellen. Diese können idealerweise über das öffentliche WLAN der Kultureinrichtungen erreicht und heruntergeladen werden.

Das Problem Störerhaftung

Trotz der vielen Vorteile bieten bisher nur wenige Einrichtungen einen öffentlichen WLAN-Zugang an. Aber warum?
Bisher hafteten Internetnutzer, die ihr WLAN für die Allgemeinheit öffneten im Rahmen der WLAN-Störerhaftung des Telemediengesetzes als sogenannte Störer, wenn ihr Anschluss für Urheberrechtsverletzungen missbraucht wurde. Für Betreiber war das Angebot daher riskant, da geschädigte Firmen bei Urheberrechtsverletzungen selten den Täter ausfindig machen können. Der Anschlussinhaber ließ sich allerdings über die IP-Adresse leicht ermitteln und zur Rechenschaft ziehen. Die Folge war die langsame und schleppend verlaufende Ausbreitung von öffentlichem WLAN in Deutschland.

Reform mit Folgen

Am 13.10.2017 hat der Bundesgerichtshof Karlsruhe (BGH) die Störerhaftung für WLAN-Betreiber mit einer Gesetzesreform weitgehend aufgehoben. Angeklagt wurde ein Betreiber von fünf öffentlich zugänglichen WLAN-Hotspots, über dessen Anschluss illegal ein Spiel in einer Internet-Tauschbörse zum Download angeboten wurde. Nach der Neufassung des Telemediengesetzes kam ein Unterlassungsanspruch nicht mehr in Betracht. Die darin formulierte Abschaffung der Störerhaftung soll sicherstellen, dass WLAN-Betreiber nicht mehr mit Unterlassungs- und Schadenersatzansprüchen konfrontiert werden können.

Für Rechteinhaber ist vorgesehen, dass der Betreiber nach gerichtlicher Anweisung durch geeignete technische Maßnahmen den Zugriff auf bestimmte Internetseiten oder -dienste sperren muss. Der Anspruch auf Sperrmaßnahmen ist dabei allerdings nicht auf bestimmte Sperrmaßnahmen beschränkt. Diese können u. a. die Pflicht zur Registrierung von Nutzern, zur Verschlüsselung des Zugangs mit einem Passwort oder – im äußersten Fall – die vollständige Sperrung des Zugangs umfassen. Die Rechteinhaber können diese Sperren gerichtlich erwirken nachdem eine Rechtsverletzung stattgefunden hat. Sie dürfen diese nur verlangen, soweit diese zumutbar und verhältnismäßig ist. Es darf sonst keine weitere Möglichkeit bestehen, um die Wiederholung einer konkreten Rechtsverletzung zu verhindern.

Außerdem dürfen die Rechteinhaber in diesem Zusammenhang vom WLAN-Betreiber keine Erstattung der vor- und außergerichtlichen Kosten verlangen, z. Bsp. Kosten durch die Beauftragung eines Anwalts. Zieht der Rechteinhaber wegen einer Inhaltssperre jedoch vor Gericht und gewinnt, muss der Beklagte die Gerichtskosten tragen. Wann genau und wie weitreichend Sperren verlangt werden dürfen, werden die Gericht allerdings noch in Zukunft klären müssen.

Eine Risiko-Einschätzung

Nach Einschätzung der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) ist durch eine Bereitstellung offener Netze, nicht mit einer Zunahme von Urheberrechtsverletzungen zu rechnen. Die Bedeutung des illegalen Teilens verschiedener Datenmengen ist allerdings insgesamt gesunken. Ursache dafür sind u. a. die starken Verbesserungen des legalen Angebots mit Video-on-Demand-, Musikstreamingdiensten und Mediatheken. Zudem ist im Regelfall die Bandbreite des WLAN-Anschlusses für umfangreiche Up- und Downloads zu gering.

Was bedeutet das für Kultureinrichtungen?

Die Zahlen der Smartphone-Nutzer und des internationalen Tourismus steigen. Mit der Einrichtung eines öffentlichen WLANs bieten Kultureinrichtungen ihren Besuchern einen deutlichen Mehrwert und werden durch das digitale Angebot zusätzlich attraktiver für (Noch-)Nicht-Besucher. Dadurch besteht die Möglichkeit sich innerhalb der Branche einen Wettbewerbsvorteil zu sichern und zu erhalten. Nach dem BGH-Urteil können WLAN-Betreiber nach einem gerichtlichen Verfahren verpflichtet werden, sämtliche Nutzer zu registrieren oder das Netzwerk mit einem Passwort zu sichern. Auf freiwilliger Basis ist das natürlich vorher bereits möglich und sinnvoll, um einem möglichen Missbrauch des WLAN-Netzwerkes vorzubeugen.

Sind digitale Angebote in den Einrichtungen vorhanden sein, sollten diese für den Nutzer deutlich gekennzeichnet werden. Eine geringe Nachfrage des Angebots besteht meist nicht im geringen Bedarf, sondern begründet sich auf fehlenden Informationen bezüglich des Angebots. Das heißt, es reicht nicht ein öffentliches WLAN einzurichten und abzuwarten. Es muss den Besuchern aktiv kommuniziert werden, dass die Möglichkeit besteht, es zu nutzen. Im Idealfall wird es zusätzlich mit eigenen, aufbereiteten Informationen gespeist, die die Besucher bei ihrem Rundgang mit relevanten Angeboten unterstützen.

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Neue Potentiale für Ihr Haus

Das Ende der WLAN-Störerhaftung bringt viele Möglichkeiten mit sich, wie sich ein öffentlicher Internetzugang effizient und sicher nutzen lässt. Um Informationen zielgruppengerecht aufbereitet, bereitstellen zu können, eignen sich vor allem Apps. Diese lassen sich nicht nur auf hauseigenen Leihgeräten, sondern auch direkt auf den Endgeräten der Besucher installieren. Der KULDIG AppCreator bietet für Kultureinrichtungen dabei eine einfache, aber effektive Möglichkeit eigene Inhalte in Form einer App zu erstellen, zu verwalten und zu publizieren. Über die Bereitstellung eines öffentlichen WLANs in Ihrer Einrichtung, wird die mobile Applikation für alle Interessierten, die ein Smartphone besitzen, zugänglich. Direkt vor Ort können Besucher auf das Angebot hingewiesen und zum Download aufgefordert werden.

Damit wird nicht nur eine personelle Entlastung, sondern auch eine Steigerung der digitalen Attraktivität der Einrichtung erreicht. Bei Häusern, die bereits eigene Apps zur Verfügung stellen, kann damit gerechnet werden, dass durch das Angebot eines öffentlichen WLAN-Zuganges die Downloadzahlen und damit auch die Zahl der Ausgabegeräte steigen. Hauseigene Leihgeräte sind oft mit intensiven Wartungsarbeiten und der Bereitstellung von zusätzlichem Personal verbunden. Auch durch die begrenzte Akkulaufzeit und der damit verbundenen Dauer der Ladezyklen, sind die Geräte nicht durchgehend einsatzfähig. Die Bereitstellung kompatibler digitaler Angebote und Informationen für Leih- und Besuchergeräte kann daher eine Entlastung bedeuten. Viele Besucher besitzen ein eigenes Ausgabegerät in Form eines Smartphones. Dadurch können mehr Personen gleichzeitig auf das digitale Angebot zugreifen, ohne dass für die Einrichtung ein Mehraufwand entsteht.

Ein Vorteil einer deckendenden WLAN-Struktur dahingehend ist auch, dass sich Besucher spontan in der Ausstellung dafür entscheiden können, ein Angebot wahrzunehmen, ohne dieses vorher eingehend planen zu müssen. Informationen können dadurch jederzeit und an jedem Exponat durch den einfachen Download der App zur Verfügung gestellt werden. Gleichzeitig wird dadurch eine effiziente InDoor-Navigation möglich. Im Gegensatz zu Außen-Navigationen, gibt es in diesem Bereich noch keine standardisierten und optimal funktionierenden Lösungen. KULDIG hat hierfür jedoch eine eigene Lösung zur InDoor-Navigation entwickelt. Diese beruht auf vorhandenen Daten der Institutionen, wie den Plänen für Flucht- und Rettungswege, den technischen Möglichkeiten der Besucherhandys und deren Ausgabe der Software. Die Positionierung des Besuchers im Raum kann dann anhand des digitalen Kartenmaterials getroffen werden. Damit muss nicht mit wartungsintensiven Beacons gearbeitet werden. Auch eine 3D-Vermessung wird hinfällig, da keine zusätzliche digitale Struktur errichtet werden muss, sondern auf der vorhandenen WLAN-Struktur aufgebaut wird.

Die Herausforderung für Kultureinrichtungen besteht natürlich primär in der zielgruppengerechten Aufbereitung der Informationen und der spezifischen Planung der InDoor-Navigation. Aber ein öffentliches WLAN bildet die Basis, um den allgemeinen Zugang zu Informationen bereitzustellen und ist im Rahmen der Digitalisierung unverzichtbar.


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