Aktuelles

Die europäische Museumskarte - ein Pass der verbindet?


"©pexels.com"

Ein Konzept auf dem Prüfstand.

Das Europäische Parlament wird für 2019 im Haushaltsplan zwei Millionen Euro für den Aufbau einer europäischen Museumskarte freigeben. Dem Vorschlag der niederländischen Politikerin Marietje Schaake (D66) stimmte das Parlament mit großer Mehrheit zu.

„Die Möglichkeit, dass wir in den Niederlanden fast alle Museen zu einem Festpreis besuchen, gibt es auf europäischer Ebene nicht. In Europa, vom Louvre bis zum Rijksmuseum, haben wir eine sehr reiche kulturelle Vielfalt “, sagte die Politikerin.

Mit dem Geld soll die Machbarkeit der europäischen Karte geprüft und etwaige Anlaufkosten gedeckt werden. Danach muss sich der Pass, wie in den Niederlanden, selbst finanzieren. Ziel ist es, im europäischen Kontext Museumsbesuche anzuregen und damit auch die Erwerbsfähigkeit der Museen zu steigern. Erfreulich ist das vor allem für die Niederlande, deren Initiative und Konzept damit international gesehen und anerkannt wird. Der niederländische Museumsverband zeigte sich bezüglich der nachhaltigen Nutzung einer solchen EU-Karte aufgeschlossen. Die Karte sei nicht nur für die Öffentlichkeit attraktiv, sondern biete auch einen Mehrwert für die Museen. Wer an der Umsetzung forschen wird und wo die Verantwortung für die europäische Museumskarte liegen werden, ist bisher nicht bekannt.

“In den Niederlanden hat die Museumskarte den teilnehmenden Museen viele Millionen Euro eingebracht”, so Marietje Schaake. “Eine Europakarte macht einen Museumsbesuch über die Grenze leichter zugänglich, regt den europäischen Kulturaustausch an und gibt mehr Menschen die Möglichkeit, unsere gemeinsame europäische Geschichte kennenzulernen.”

Museumskarte in den Niederlanden

In den Niederlanden sind 1,3 Millionen Menschen Inhaber einer Museumskarte. Laut den Museumszahlen von 2017, brachte sie den Einrichtungen damit 62 Millionen Euro ein, was zehn Prozent des gesamten Einkommens des Sektors entspricht. Mit der niederländischen Museumskarte können kostenfrei über 400 Museen im Land besucht werden. Dazu zählen nicht nur registrierte Museen, also solche, die an den Museumsverein angeschlossen sind, sondern auch alle anderen Einrichtungen, die die Karte akzeptieren. Einzig bei Sonderausstellungen kann es vorkommen, dass die Museen einen geringen Eintrittspreis zusätzlich verlangen. Dieser wird aber bei allen Besuchern, nicht nur Passinhabern, erhoben. Einwohner der Niederlande können die Karte nach einer Online-Registrierung für ein Jahr nutzen, während Touristen nur eine zeitlich begrenzte Version zu Verfügung steht. Bisher verfiel diese nach 31 Tagen, seit Juli 2018 allerdings bereits nach dem Besuch von fünf Museen. Die Kosten für die Karte betragen für Erwachsene 54,95 Euro plus einer zusätzlichen Verwaltungsgebühr von 4,95 Euro. Für Kinder und Jugendliche werden Rabatte angeboten.

Abzuwarten bleibt allerdings, ob eine europäische Karte, die unter Umständen subventioniert wird, nicht unlauteren Wettbewerb darstellt oder die bestehenden nationalen und regionalen Museumspässe schädigt. Die niederländische Museumsvereinigung hatte bereits Schwesternorganisationen in Finnland und Belgien beim Aufbau nationaler Museumspässe beraten und unterstützt.

"©pixabay.com"

Finanzierung des niederländischen Modells

Das Prinzip hinter der niederländischen Museumskarte ist einfach. Der Betrag, den die Karteninhaber für den Erwerb zahlen, wird gesammelt. Einmal im Jahr werden die Einnahmen dann unter den teilnehmenden Museen verteilt. Grundlage dafür sind die Eintrittspreise der jeweiligen Einrichtung und die Anzahl der Besucher, die einen Museumspass besitzen.

In der Theorie können Karteninhaber ein Jahr lang mehr als 400 Museen im ganzen Land entdecken, durchschnittlich besuchen sie etwa 6,6 Museen pro Jahr. Im Jahr 2017 waren es insgesamt 8,7 Millionen Besuche. Aus wiederholten Untersuchungen wurde deutlich, dass Einrichtungen im Sektor ohne Museumskarte merkbar geringere Einnahmen durch Eintrittsgebühren oder Museumsshops erzielten, als Häuser, die diese akzeptierten. Die Museumskarte trägt dadurch nicht unwesentlich zur Verdienstfähigkeit der Museen bei.

Damit das Kartensystem aber reibungslos funktionieren kann, werden jährlich etwa zehn Prozent des Verkaufserlöses benötigt. Diese decken Organisation, Marketing und andere Kosten, die im Betrieb entstehen. Die übrigen 90 Prozent kommen direkt den niederländischen Museen zugute.

Gibt es bisher vergleichbare Angebote?

Die Einführung einer europäischen Museumskarte verspricht einen nachhaltigen, lukrativen Ansatz. Doch das Modell ist, wenn auch nicht in diesem Ausmaß, bekannt und wird bereits umgesetzt.

Der Museums-Pass-Musées ist die Eintrittskarte für mehr als 300 Museen, Schlösser und Gärten in Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Mit dem Pass können ein Jahr lang kostenlos alle Sammlungen und Ausstellungen, in Begleitung von bis zu fünf Kindern (auch ohne verwandtschaftliche Beziehungen) besucht werden. Erworben werden kann der Pass im Onlineshop oder in einem der Mitgliedsmuseen für 108,00 Euro. Zusätzlich werden den Karteninhabern Vergünstigungen für Kulturreisen und Events geboten. So attraktiv das Angebot klingt, so enttäuschend ist es für Interessierte, die nördlicher als Mainz ansässig sind. Denn alle Einrichtungen, die durch den Museumspass mit freien Eintritten locken, liegen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg nur unweit der Grenze zu Frankreich und der Schweiz. Was für Anwohner aus München und Nürnberg eventuell trotz längerer Fahrzeit für Ausflüge und Urlaubsunterhaltung noch lohnenswert scheint, ist für Interessierte aus Leipzig, Berlin, Hamburg oder Kiel die regelmäßigen Fahrtkosten kaum wert.

Vergleichbare Angebote, wie den niederländischen Museumspass gibt es allerdings nicht. Bevorzugt werden bisher Modelle wie der Berliner Museumspass genutzt. Dieser ist primär für touristische Besucher ausgelegt und bietet für 29,00 Euro Zugang zu über 30 Museen und Ausstellungen an drei aufeinander folgenden Tagen. Auch in Hamburg gibt es einen ähnlichen Pass. Als 3-Tages-Pass für 25,00 Euro oder als 12-Monats-Pass für 36,00 Euro wird der Eintritt in fünf Häuser der Kunstmeile Hamburgs gewährt.

Für all diese Modelle stellt die international geplante europäische Museumskarte eine Konkurrenz dar. Die Folgen einer Einführung für die bereits bestehenden Geschäftsmodelle sind aktuell noch nicht absehbar, aber vor allem davon abhängig wie stark das europäische Modell von den Besuchern angenommen wird. Bei einer aktiven Nutzung besteht die Möglichkeit, dass andere Karten und Pässe obsolet werden. Dann hängt es von Vereinbarungen und anteilmäßigen Einnahmen ab, ob der europäische Museumspass für die einzelnen Einrichtungen besser ist als das vorherige Modell. Oder ob ein gut funktionierendes Modell durch ein, für die Häuser, weniger lukratives ersetzt wurde.

"©pixabay.com"

Die europäische Museumskarte – eine Chance für deutsche Museen und Ausstellungen?

Eine Vernetzung der Kultureinrichtungen bringt nicht nur die Möglichkeit mit sich, den Umsatz für einzelne Einrichtungen zu steigern und Museen für einen Großteil der Bevölkerungen attraktiver und auch ressourcenschonender zu gestalten. Gerechnet werden kann mit mehr Erstbesuchern und einer steigenden Anzahl an Personen, die eine Einrichtung mehrmals aufsuchen. Für Touristen, die sich im Gültigkeitsbereich der Karte bewegen, stellt der Besuch von Kultureinrichtungen ein Ausflugsziel dar, dass bei entsprechenden Angeboten gerne angenommen wird. Damit einher geht die Möglichkeit der Umsatzsteigerung für einzelne Einrichtung. Durch die potenzielle Möglichkeit mehr Erstbesucher und mehr wiederholte Besuche zu erzielen, steigt die Umsatzbeteiligung an den Einnahmen des Museumspasses sowie die Ausgaben der Besucher in den Geschäften, die in die Einrichtung eingegliedert sind. Das können Museumsshops sein, aber auch Angebote aus der Gastronomie.

Doch die Einführung der europäischen Karte bietet vor allen den Besuchern eine Entlastung. Der Großteil der Bevölkerung arbeitet wöchentlich etwa 40 bis 50 Stunden. Dementsprechend niedrig ist die verbleibende freie Zeit, die gleichzeitig mit Aufgaben des alltäglichen Lebens und dem Interesse an Freizeitaktivitäten konkurriert. Der Besuch von Museen und Ausstellungen benötigt damit Zeit, die der Besucher je nach Interessenlage auch anders verbringen könnte. Der Zeitbedarf für den Besuch kultureller Einrichtungen steht somit immer in Wettbewerb zum Zeitkontingent anderer Freizeitaktivitäten, die alternativ zum gleichen Zeitpunkt ausgeübt werden könnten. Die Konkurrenz um verfügbare Zeit bedarf daher einer Priorisierung der Aktivitäten durch den potentiellen Besucher. Nach einem simplen Kosten-Nutzen-Verfahren wird er entscheiden, welche Aktivität seine Bedürfnisse am besten befriedigen wird und ihr nachgehen.

Ein weiteres Kriterium stellt der Geldbedarf für entsprechende Unternehmungen dar. Während einige kostenfrei sind, muss in andere Geld investiert werden. Dem durchschnittlichen Privathaushalt stehen monatlich 261,00 Euro zur Verfügung, die für Freizeitaktivitäten aufgewandt werden können. Dazu zählen allerdings nicht nur Theater-, Konzert- oder Museumsbesuche, sondern auch Ausgaben für Reisen, Bücher, Presseerzeugnisse und andere Konsumgüter. Die Einführung einer internationalen Museumskarte bietet hierbei die Möglichkeit begrenzte finanzielle Ressourcen durch eine jährliche Einmal-Zahlung optimal zu bündeln und mehr Interessenten dazu anzuregen, Museumsbesuche in ihre Freizeitgestaltung mit einzubinden. So werden Museen und Ausstellungen relevanter und können aktiv in Konkurrenz mit anderen Aktivitäten treten. Gleichzeitig wird ein leichterer Zugang für Touristen, vor allem für solche, die sich zwischen verschiedenen EU-Ländern bewegen bzw. mehrmals im Jahr in den Urlaub fahren, geschaffen.

Eine Verknüpfung verschiedener Freizeitaktivitäten, wie dem Besuch von Museen auf Reisen wird daher denkbar, da sie den Besucher finanziell nicht zusätzlich belasten. Die Einführung einer Museumskarte bietet damit die Möglichkeit für Besucher kapitalschonend Kultur zu erfahren, die sich nicht nur auf den Alltag beschränkt. Wie sich die potentielle Einführung auf andere, bereits bestehende Pass-Modelle auswirken könnte, kann allerdings noch nicht ermittelt werden.


Zurück zur Übersicht